DNS-Dienste sind heute weit mehr als nur einfache Übersetzer von Webadressen. Sie spielen eine direkte Rolle beim Datenschutz, der Surfgeschwindigkeit und dem Schutz der Privatsphäre. Zwischen DNS4EU, entwickelt unter der Schirmherrschaft der Europäischen Union, und Quad9, einer Schweizer Lösung, die für ihre Bedrohungsblockierung bekannt ist, gibt es echte Unterschiede.
DNS in Europa: Welche Unterschiede gibt es bei der Netzabdeckung?
Einer der Hauptfaktoren für die Effizienz eines DNS-Resolvers ist die Nähe der Server. Je kürzer die Entfernung, die eine Anfrage zurücklegen muss, desto schneller und zuverlässiger ist die Antwort.
- DNS4EU wurde mit einem regionalen Ansatz entwickelt. Die Server befinden sich ausschließlich in Mitgliedsländern der Europäischen Union. Laut dem für das Projekt zuständigen Konsortium gab es Anfang 2025 mehr als 25 Präsenzpunkte, verteilt auf Städte wie Paris, Berlin, Rom, Madrid, Prag oder Vilnius. Das Ziel: eine DNS-Antwort ohne Transit außerhalb der EU zu garantieren.
- Quad9 ist zwar stark in Europa vertreten (ca. 30 Punkte), ist aber auch außerhalb, insbesondere in den USA, Asien und Afrika, präsent. Dies kann ein Vorteil für Nutzer sein, die international reisen oder arbeiten, bedeutet aber auch, dass einige Anfragen den europäischen Raum verlassen können, wenn die DNS-Geolokalisierung nicht kontrolliert wird.
Beide Dienste verwenden Anycast, eine Methode, die es ermöglicht, dass eine Anfrage automatisch zum nächstgelegenen DNS-Knoten umgeleitet wird. Dies reduziert das Risiko von Überlastungen oder Paketverlusten, aber die Wahl des geografischen Standorts bleibt ein strategischer Vorteil für DNS4EU auf europäischem Gebiet.
Welcher DNS-Dienst ist heute der schnellste in Europa?
Die Geschwindigkeit eines DNS hängt von der Netzwerklatenz, der Antwortzeit des Servers und der Cache-Verwaltungskapazität des DNS ab.
- DNS4EU zeigt bemerkenswerte Leistungen dank seines dichten lokalen Netzwerks. In einer Reihe von Tests, die von französischen Nutzern durchgeführt wurden, lag die durchschnittliche Latenz bei 22 bis 27 ms je nach Region. In Deutschland und Österreich kann sie unter 20 ms sinken.
- Quad9 schwankt in denselben Regionen zwischen 28 und 35 ms. Dies bleibt schnell, ist aber bei Überlastung oder bei Vorhandensein mehrerer Knoten in Nachbarländern etwas weniger stabil.
Ein weiterer zu berücksichtigender Aspekt ist die Cache-Verwaltung. Quad9 verfügt über recht aggressive DNS-Cache-Richtlinien, um die Reaktionsfähigkeit zu verbessern, was jedoch zu Aktualisierungsverzögerungen führen kann, wenn eine Website ihre IP-Adresse ändert. DNS4EU hingegen wendet moderatere TTL-Regeln an, was solche Probleme begrenzt, aber manchmal die Anzahl der ausgehenden Anfragen erhöht.
Cybersicherheit: Wie schützen diese DNS Ihre Verbindungen?
DNS ist oft die erste Verteidigungslinie gegen Bedrohungen wie Malware, Ransomware, Phishing oder Umleitungen zu betrügerischen Websites.
- Quad9 nutzt eine Datenbank, die von mehr als 20 Partnerquellen gespeist wird, darunter IBM X-Force, ThreatSTOP, Abuse.ch und Cybercrime Tracker. Es führt eine Echtzeitanalyse durch und filtert Anfragen zu als gefährlich eingestuften Domains. Im Jahr 2023 verzeichnete es weltweit mehr als 300 Millionen Blockierungen mit einer Fehlerrate von weniger als 0,1 %.
- DNS4EU basiert auf Grundlagen, die von nationalen Cybersicherheitsagenturen wie der ANSSI (Frankreich), dem BSI (Deutschland) oder dem CERT-EU erstellt wurden. Sein Filter ist darauf ausgelegt, den EU-Vorschriften zu entsprechen, insbesondere im Kampf gegen terroristische oder kinderpornografische Inhalte, aber auch gegen gezielte Desinformationsseiten.
Technisch bieten beide Dienste ein adaptives DNS-Filtering über DNS-over-HTTPS (DoH) oder DNS-over-TLS (DoT) an. Dies verhindert, dass DNS-Daten während ihrer Übertragung abgefangen oder verändert werden.
Datenschutz: Wohin gehen Ihre DNS-Daten?
Die Vertraulichkeit ist eines der am meisten beachteten Kriterien von versierten Nutzern.
- DNS4EU garantiert, dass alle DNS-Anfragen ausschließlich in der Europäischen Union verarbeitet und gespeichert werden, in strikter Übereinstimmung mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Es erfolgt kein Transfer in Drittländer. Die Speicherung ist temporär, zu Wartungs- oder Qualitätskontrollzwecken, und unterliegt regelmäßigen Audits.
- Quad9, obwohl es dem schweizerischen Datenschutzgesetz (einem der strengsten der Welt) entspricht, schließt die Verarbeitung außerhalb der EU in bestimmten Fällen nicht aus, abhängig vom verwendeten Zugangspunkt. Es versichert jedoch, niemals die IP-Adresse der Nutzer in identifizierbarer Weise zu speichern und mit keiner Werbeagentur zusammenzuarbeiten.
Es ist zu beachten, dass beide Dienste die Unterstützung der Verschlüsselung TLS 1.3 integrieren, was das Entschlüsseln von DNS-Anfragen während ihres Transits verhindert.
Sicheres DNS: Welche Lösung integriert sich am besten in Ihre Geräte?
Die Zugänglichkeit ist ein wichtiger Vorteil, damit ein DNS weit verbreitet angenommen wird. Hier sind die Installationsmethoden je nach Plattform:
- Windows/macOS: Änderung der DNS-Einstellungen im lokalen Netzwerk (IPv4/IPv6).
- DNS4EU: 85.90.90.90 oder 2a0f:fc80::
- Quad9: 9.9.9.9 oder 2620:fe::fe
- Android/iOS: Hinzufügen eines privaten DNS über die sicheren DNS-Einstellungen.
- DNS4EU: dns.dns4eu.com
- Quad9: dns.quad9.net
- Router: Konfiguration in der Administrationsoberfläche.
- Kompatibel mit Mikrotik, OpenWRT, Fritz!Box usw.
DNS4EU befindet sich auch in der Pilotphase mit mehreren europäischen Internetanbietern (Orange, Deutsche Telekom usw.), damit die Aktivierung automatisch über DHCP erfolgt, ohne dass der Nutzer eingreifen muss.